Unsere Lebenswege

Auf der Suche nach Stille: 4 Tage im Kloster

Weg vom Alltagstrubel

Weg vom Alltagstrubel

"Ich bin dann mal weg", wünschen sich viele Frauen, die zwischen Beruf, Familie und der Frage nach dem Sinn des Lebens feststecken.

Natalie Jülich (im Bild: Vierte v.l.) hat sich vier Tage in die stillen Gemäuer eines Klosters zurückgezogen, um vor allem eines zu finden: Ruhe und Stille.

Natalie ist keine Frau, die den Eindruck macht, dass sie das ruhige Leben liebt. Mit ihrem lebhaften Wesen und ihrer offenen Art versprüht die attraktive Frau Energie und Kraft vom blonden Schopf bis zu den pinkfarbenen Ballerinas. Als Kabinenchefin bei Lufthansa ist sie immer unterwegs und kommt mit vielen Menschen zusammen. Als alleinerziehende Mutter managt sie das Familienleben alleine. Ein spannendes, aber manchmal auch anstrengendes Leben.

Als ihr ein Flyer des Klosters Bernried in die Hände fällt, der sich ausschließlich an alleinerziehende Mütter richtet, entscheidet sie, dass die Zeit für "klösterliches Wellness" reif ist und meldet sich für den Aufenthalt an. Kosten: 180 €. Oberstes Ziel: Stille und Ruhe zu finden.

Das Kloster am See

Das Kloster Bernried in Bayern entpuppt sich als komfortable Bleibe: Einzelzimmer, Vollpension, freundliche Benediktinerinnen und eine traumhafte Lage direkt am Starnberger See. Eine Trainerin und neun Frauen zwischen 38 und 58 Jahren sind hier für vier Tage sich selbst die Nächsten. Auf der Suche nach Stille und Ruhe sind sie alle. Auch wenn es ihnen schwer fällt, über einen längeren Zeitraum nicht zu reden, zu diskutieren und zu quasseln. "Ein Kloster mit Schweigepflicht wäre für uns nichts gewesen", gibt Natalie lachend zu.

Meditation, Yoga, Tänze, Erfahrungen in und mit der Natur, Massagen und Gesprächskreise füllen die Stunden aus. Verpflichtungen religiöser Natur gibt es nicht. Das Kloster bietet die Räumlichkeiten an, aber nicht die Inhalte. Das übernimmt die Trainerin. Verschiedene Übungen bilden ein Gerüst – jede Teilnehmerin entscheidet selbst, ob sie mitmachen möchte oder nicht. Z.B. die "Baummeditation": Jede soll sich einen Lieblingsbaum auswählen und diesen mit allen Sinnen begreifen, also: fühlen, riechen, sehen, hören und schmecken.

Natalie ist neugierig, offen und stark genug, um alle Übungen für sich zu nutzen. Sie ist im Vorteil, weil sie bereits mehrere Bewusstseinsseminare mitgemacht hat, bei denen bedeutend mehr von den Teilnehmern erwartet wurde. Vor vier Jahren hat sie in Frankreich an einer Coaching-Ausbildung teilgenommen. Um vier Uhr morgens begann der Tag mit Meditation und zu einer bestimmten Zeit durfte nicht gesprochen werden. "Das war hart", erinnert sich Natalie. "Dagegen ist der Aufenthalt im Kloster Bernried fast wie Wellness."

Aber nicht für alle...

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