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Trennungskind oder ... wenn Papa sich nicht kümmert
von Milinki am 08.07.2008
Ich weiss es noch genau. Als ich meinem (heute Ex-)Mann sagte: Ich bin schwanger, du wirst Papa. Eine wahre Freuden-Explosion entfachte sich. Er hob mich hoch, wirbelte mich durch die Luft, und jubelte immer wieder: Ich werde Vater, ich werde Vater. Was dann kam war wunderbar. Ich durfte keine schweren Taschen mehr tragen, er war bei jeder Untersuchung dabei, suchte hingebungsvoll Erstausstattung und Möbel aus, streichelte ständig über den Bauch und horchte hinein. War bei der Entbindung dabei, ließ unseren Sohn nie aus den Augen. Wickelte ihn wie selbstverständlich, wiegte ihn in den Schlaf, fütterte ihn nach dem Abstillen, spielte mit ihm und ich dachte ... was haben wir doch für ein Glück, eine Bilderbuchfamilie. Knapp 2 Jahre später kam unsere Tochter auf die Welt. Keine überschwengliche Freude mehr, kein Mitgehen zum Arzt, kein über den Bauch streicheln, bei der Geburt zwar mit dabei, aber irgendwie auch nicht. Und auf meine Fragen hin, warum diesmal alles so anders ist bekam ich zur Antwort: Kenne ich doch alles schon, ist nichts neues.
Von einem Tag zum anderen klinkte sich der Vater meiner Kinder aus unserer Familie aus. Entfernte sich von mir und unseren Kindern. Er sagte er liebe uns noch, aber der Familienalltag sei ihm zu anstrengend. Kurz nach der Geburt meiner Tochter zog Papa in den Keller mit der Begründung, dass er seinen Schlaf brauche und das nächtliche Kindergeschrei würde in aufwecken und nerven. Er habe auch keine Freundin oder so (was auch tatsächlich stimmte), aber das Familienleben sei nicht sein Ding.
Suuuper! 4 Monate nach der Geburt unserer Tochter schlug ich ihm vor, vielleicht sollten wir uns trennen da er ja kaum noch zu Hause sei, allenfalls um zu essen und im Keller zu schlafen. Und er antwortete mir: Gute Idee, dass machen wir. Ich kenne im Bekannten- und Freundeskreis keine Trennung, die sich so ruhig und friedlich vollzogen hat wie unsere.
Bei der Scheidung wollte er partou kein gemeinsames Sorgerecht. Aber ich bin hartnäckig geblieben und konnte das gemeinsame Sorgerecht dann doch durchsetzen.
Allerdings nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe. Alle Rechte für Ihn, alle Sorgen und Verandwortung für mich. Trotz all meiner Bemühungen war er nicht bereit, irgendwelche Besuchzeiten oder Papawochenenden wahrzunehmen. Schlug allenfalls mal bei uns auf, wenn Geburtstag oder Weihnachten war - auf ein oder zwei Tassen Kaffee, dann war er wieder weg.
Etwa im Jahr 3 nach der Scheidung erklärte er sich bereit, alle 2 Wochen die beiden Kids zu sich und seiner Mutter zu nehmen (er ist nach der Scheidung ins Haus seiner Mutter gezogen). 12 Monate später wollte er nur noch ein Kind im Wechsel alle 14 Tage zu sich nehmen. Zwei Kinder gleichzeitig seien ihm zu anstrengend. Weitere 6 Monate später war im auch das zu anstrengend. Er wolle schließlich mit seiner neuen Freundin auch mal ruhige Wochenenden verbringen. Bis heute schlägt er bei uns somit hauptsächlich wieder nur an Geburtstagen oder Weihnachten auf. Inzwischen hat er auch das gemeinsame Sorgerecht auf eigenen Wunsch an mich abgetreten.
Ich habe noch versucht, nach Erscheinen des neuen Kindschaftsrecht per Anwalt durchzusetzten, dass Papa sich kümmern muss. Mein Anwalt hat mich ausgelacht und gesagt, dass soetwas gesetzlich nicht geht. Aber Frauen in Beugehaft schicken, die aus berechtigten Gründen ihre Kinder nicht an die Väter rausgeben wollen, das geht?
Meine Kinder lieben ihren Vater und können das alles nicht wirklich verstehen. Wie auch.
Als die beiden 6 und 8 Jahre als waren bekamen sie noch eine Schwester. Und diese Schwester hat einen Vater, der sich in einem Maße um seine Tochter kümmert (wir waren ca. zwei Jahre ein Paar, haben aber nie zusammen gelebt), wie es vorbildlicher nicht sein könnte.
Das eigentliche Drama daran ist, dass meine beiden Großen feststellen mussten, dass es auch Papas gibt, die sich kümmern.
An alle Rabenväter die sich nicht kümmern ...
Ihr wißt was ihr anrichtet bei euren Kindern, wenn ihr euch nicht liebevoll von Gebusrt an kümmert? Nein? Ich verrate es euch. Und ich weiss wovon ich rede, und ich weiss es deshalb, weil sich mein Vater auch nicht um mich gekümmert hat, nicht genug jedenfalls, nicht genug um eine liebevoll vertrauensvolle Vater-Kind-Bindung wachsen zu lassen. Gelegentliche Treffs bei Familienfesten reichen dazu nicht aus.
Ich war Kind und habe meinen Vater geliebt, wenn ich ihn sah wollte ich ihm immer nahe sein, seine Aufmerksamkeit haben, in den Arm genommen werden, irgendwie zu merken dass er mich doch liebt - ich habe um seine Liebe gebettelt und gekämft.
Ich musste 45 Jahre alt werden, bis ich vor einem Jahr endlich erkannte, dass nicht funktionieren kann, was nicht liebevoll mitgewachsen ist. Er ist mein Vater, und wann immer wir uns begegnet sind - keine Nähe, keine Vertrautheit, keine Liebe - nicht ein Atom von irgendwas, was dazu beitragen könne, noch eine Brücke versuchen zu bauen.
Aber meine Liebe, meine Liebe ist noch da. Aber sie hat sich dramatisch verändert. Und die Erkenntnis schmerzt so unsagbar, dass sie mir noch beim Schreiben jetzt die Tränen in die Augen, und einen gewaltigen Kloss in den Hals treiben läßt.
Meine ganze bedingungslose Liebe steckt in der Sehnsucht. Verpackt in der Sehnsucht nach einem Vater der mich liebt. Und ich weiss, diese schmerzliche Sehnsucht wird mich für den Rest meines Lebens begleiten.
Und diese gleiche Sehnsucht sehe ich in den Augen meiner beiden Großen. Und ich weiss um den Schmerz der Sehnsucht. Und nichts was ich tun oder sagen könnte, wird helfen diesen Schmerz meiner beiden Kinder zu lindern.
An alle Rabenväter die sich nicht kümmern ...
Fühlt und versteht ihr jetzt, was ihr anrichtet?
Und ich klage die Gesellschaft an:
Warum gilt es in unserer Gesellschaft noch als Kavaliersdelikt, wenn Väter sich nicht um ihre Kinder kümmern?
Warum gilt es in unserer Gesellschaft noch als Kavaliersdelikt, wenn Väter für Ihre Kinder keinen Unterhalt zahlen?
Warum schickt unsere Gesellschaft nicht auch Männer in Beugehaft, die sich nicht um ihre Kinder kümmern, oder keinen Unterhalt zahlen wollen?
Warum hebt unsere Gesellschaft einen alleinerziehenden Vater in den Himmel und spricht in fast heilig?
Warum behandelt unsere Gesellschaft alleinerziehende Mütter wie ein notwendiges Übel, welches es zu erdulden gilt?
Liebe Gesellschaft, der Spiegel, den ihr hier vorgehalten bekommt gefällt euch nicht? Dachte ich mir.
Mein Seelenstriptease ist mir sicher nicht leicht gefallen, aber wenn es hilft, auch nur einen Rabenvater zum Nachdenken angestoßen zu haben, war es das absolut wert.
Kommentar von WonnyPony erstellt am 08.07.2008 18:35:17
Liebe Milinki,
dein Beitrag macht mich total traurig, weil es mir so leid um die Kinder tut und um dich und deinen Traum von einer glücklichen Familie. Da ich selbst einen prima Papa und einen tollen Vater für meine Kinder habe, kann ich deinen Schmerz zwar nicht nachfühlen, aber alleine die Vorstellung - das das Leben so laufen kann - macht mich traurig. Was soll ich dir schreiben? Dass du wahnsinnig tapfer und stark bist. Dass du mit alle deinen Anschuldiguhgen recht hast. Dass es unverantwortbar ist, wie sich manche Väter aus der Verantwortung stehlen. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass es dein Exmann irgendwann furchtbar bereuen wird, dass er seine Kinder nicht geliebt hat. Vielleicht fällt es ihm erst auf dem Sterbebett ein, aber einfallen wird es ihm irgendwann ganz sicher. Das mag kein Trost für dich sein, ich weiß. Ich würde ihm nicht weiter hinterher laufen. Die Liebe eines Vaters kann man nicht erzwingen. Hauptsache, die Kinder haben dich. Vielleicht tritt ja bald ein "Ersatzpapa" in ihr Leben. Das würde ich ihnen sehr wünschen. Alles Liebe für euch...
Kommentar von WonnyPony erstellt am 08.07.2008 18:36:14
Liebe Milinki,
dein Beitrag macht mich total traurig, weil es mir so leid um die Kinder tut und um dich und deinen Traum von einer glücklichen Familie. Da ich selbst einen prima Papa und einen tollen Vater für meine Kinder habe, kann ich deinen Schmerz zwar nicht nachfühlen, aber alleine die Vorstellung - das das Leben so laufen kann - macht mich traurig. Was soll ich dir schreiben? Dass du wahnsinnig tapfer und stark bist. Dass du mit alle deinen Anschuldiguhgen recht hast. Dass es unverantwortbar ist, wie sich manche Väter aus der Verantwortung stehlen. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass es dein Exmann irgendwann furchtbar bereuen wird, dass er seine Kinder nicht geliebt hat. Vielleicht fällt es ihm erst auf dem Sterbebett ein, aber einfallen wird es ihm irgendwann ganz sicher. Das mag kein Trost für dich sein, ich weiß. Ich würde ihm nicht weiter hinterher laufen. Die Liebe eines Vaters kann man nicht erzwingen. Hauptsache, die Kinder haben dich. Vielleicht tritt ja bald ein "Ersatzpapa" in ihr Leben. Das würde ich ihnen sehr wünschen. Alles Liebe für euch...
Kommentar von WonnyPony erstellt am 08.07.2008 18:36:22
Liebe Milinki,
dein Beitrag macht mich total traurig, weil es mir so leid um die Kinder tut und um dich und deinen Traum von einer glücklichen Familie. Da ich selbst einen prima Papa und einen tollen Vater für meine Kinder habe, kann ich deinen Schmerz zwar nicht nachfühlen, aber alleine die Vorstellung - das das Leben so laufen kann - macht mich traurig. Was soll ich dir schreiben? Dass du wahnsinnig tapfer und stark bist. Dass du mit alle deinen Anschuldiguhgen recht hast. Dass es unverantwortbar ist, wie sich manche Väter aus der Verantwortung stehlen. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass es dein Exmann irgendwann furchtbar bereuen wird, dass er seine Kinder nicht geliebt hat. Vielleicht fällt es ihm erst auf dem Sterbebett ein, aber einfallen wird es ihm irgendwann ganz sicher. Das mag kein Trost für dich sein, ich weiß. Ich würde ihm nicht weiter hinterher laufen. Die Liebe eines Vaters kann man nicht erzwingen. Hauptsache, die Kinder haben dich. Vielleicht tritt ja bald ein "Ersatzpapa" in ihr Leben. Das würde ich ihnen sehr wünschen. Alles Liebe für euch...
Kommentar von WonnyPony erstellt am 08.07.2008 19:05:12
Mist, wieso ist das 3x gespeichert?? Hoffentlich löschen sie das raus. SORRY, weiß nicht, wie es passiert ist ![]()
Kommentar von Limette erstellt am 08.07.2008 21:22:58
Hallo Milinki. Mensch, das ließt sich ja ein bisschen wie aus meinem Leben! Ehrlich gesagt macht mir das ein bisschen Angst. Denn leider, leider ist mein Mann auch sehr oft überfordert mit dem Familien-Leben. Er zieht sich sehr oft zurück und macht auch kein Geheimnis mehr daraus das es ihm alles oft zu viel ist mit 3 kleinen Kindern! Ihm ist alles ganz schnell zu laut und zu viel! Die Kinder wollen nur das "Normale!" von ihrem Papa. Sie wollen mit ihm sprechen, seine Aufmerksamkeit und Beachtung. Aber das alles fällt meinem Mann sehr schwer. Er nimmt sich an den Wochenenden wo wir ja alle zusammen Zuhause sein können, sehr viel Auszeit! Dann geht er in den Garten zum Rauchen und eine stinknormale Zigarette dauert dann mal ebend nie unter 20 Minuten. Wir sind verheiratet und leben zusammen und wir lieben uns auch!! Aber er ist sehr schwach bzw. nicht belastbar. Wenn die Situationen in denen die Kinder fordern - was ja total normal ist - ihm zu viel werden dann schaltet er ab und zieht sich zurück an den PC oder in den Garten oder auf,s Klo (zwinker,räusper) Wir waren mal ein Team was die Kinder anging - aber nun bin ich schon seit einigen Monaten eine alleinerziehende Mutter die verheiratet ist. Das ist doch verrückt, oder?!
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