Kinderkriegen als Lebensphilosophie und Selbstfindung?

von Marie Antoinette am 24.09.2009

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Gerade habe ich das neu erschienene Tagebuch "life talk" von Catharina Paul, einer 30-Jährigen in der Lebenskrise, bestellt und die ersten Kapitel gelesen. Als ich sofort auf den ersten Seiten erfahren habe, dass es im Grunde um eine ungewollte Schwangerschaft geht, war ich skeptisch, ob mich dieses Buch überhaupt bis zum Ende interessieren würde. Denn eigentlich bin ich der Meinung, dass über das Thema "Kind oder Karriere" schon genug gesagt und geschrieben wurde. Wozu also noch dieses Tagebuch? Sehr spannend fand ich aber dennoch, dass es Catharina, die zwischen trotziger Mutterschaft und Abtreibung schwankt, offenbar um mehr geht als "nur" um ihre finanzielle Lage, den Beruf und die moralischen Zweifel. Es geht in letzter Konsequenz um sie selbst und den Sinn ihres Lebens, den sie seit ihrer Jugend vergeblich gesucht und nie gefunden hat. Dabei spielt auch die Möglichkeit eine Rolle, das Kinderkriegen zur Lebensphilosophie zu machen und darin eine merkwürdige Selbstverwirklichung zu finden, an der aber schon ihre eigenen Eltern gescheitert sind. Catharina ist 30 und betont immer wieder, dass sie selbstständig und erwachsen ist. Aber im Herzen möchte sie ein Kind sein und bleiben, das sich keiner Macht der Welt unterordnen will. Ihre Gegenspielerin findet sie da ausgerechnet in der erst 17-Jährigen Maria, die mit teilweise überraschender Reife für das Leben ihres Kindes kämpft, obwohl die Familie ihre Ausbildung und Zukunft gefährdet sieht. Sollte sich Catharina also nicht an dem viel jüngeren Mädchen ein Beispiel nehmen? Wer hat Recht in diesem Wirrwarr der Gefühle? Gibt es überhaupt DEN richtigen Weg für uns Frauen? Und ist man nicht im entscheidenden Moment bei all den guten Ratschlagen der anderen doch ganz alleine und auf sich gestellt? In vielen Passage des Buches habe ich mich ertappt gefühlt, wie selbstgerecht und cool ich mich in meinem Leben immer wieder über Menschen äußere, die "gescheitert" sind. Oder wie unehrlich mein "Mitleid" eben manchmal ist, weil ich selbst diese Tiefen noch nie durchlitten habe. An anderen Stellen aber konnte ich einfach nur zustimmen, weil ich mich als Frau sehr verstanden fühlte. Oder ich habe mich ehrlich geärgert und mir überlegt, wie man alles besser machen könnte. Schön, dass dieses Buch mich so intensiv auf eine Reise zu mir selbst eingeladen hat ... auch ohne ungewolltes Baby!

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Kommentar von Keko erstellt am 25.09.2009 09:59:10

Hört sich spannend an. Seit ich ein Kind habe sehe ich das Leben tatsächlich in einem ganz anderen Licht, denn diese Veranwortung, die mit man für ein Kind übernimmt, lässt einen nie wieder los und man richtet sein Leben danach aus. Das ist schön, aber manchmal erschreckt es mich auch, zu wissen, dass ich nie wieder nur alleine für mich verantwortlich bin. Wer allerdings Kinder bekommt, um sich selbst zu finden, dem kann ich nur sagen: Das funktioniert nicht. Ein Kind ist ein eigenstänmdiger Mensch, der in das eigene Leben tritt. Natüerlich trägt er viel dazu bei, dass man sich selbst neu findet, aber frühere Erwartungen zu erfüllen, ist nicht die Aufgabe eines Kindes, denn es bringt auch viele Überraschungen und Sorgen mit sich von denen man vorher keinen Schimmer hatte. Dass ein Kind zu haben der Sinn des Lebens ist, davon bin ich inzwischen überzeugt. Die Liebe eines Kindes ist mit nichts aufzuwiegen und es gibt keine schönere Aufgabe im Leben, als ein Kind mit Liebe und Fürsorge groß zu ziehen und zu sehen, wie aus ihm hoffentlich ein guter und zufriedener Mensch wird.

Kommentar von colo erstellt am 27.09.2009 19:47:35

Das klingt doch ganz gut. ich finde immer, dass ein Buch, das nicht irgendwie dazu führt, dass man über sich und sein Umfeld nachdenkt, versagt hat. Und auch wenn das Thema natürlich schon x mal beschrieben wurde: jedes große Thema wurde tausende von Malen immer wieder neu geschrieben. Weil es eben um die Lebensfragen geht ...

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